Schwangerschaft
Was sieht man in den verschiedenen Schwangerschaftswochen im Ultraschall?
- Erste Basisuntersuchung (ca. 9.–12. SSW)
– Lage und Anzahl des Kindes
– Herzaktivität und Herzfrequenz
– Erste grobe Beurteilung von Kopf, Rumpf und Extremitäten
– Sitz der Plazenta und Fruchtwassermenge
– ggf. Nackentransparenzmessung (im Rahmen des Ersttrimestertests) - Fehlbildungsultraschall (ca. 19.–22. SSW)
– Detaillierte Organbeurteilung (Herz, Gehirn, Wirbelsäule, Nieren, Magen etc.)
– Gliedmaßen, Gesicht, Wirbelsäule
– Plazentaposition und Versorgungslage (z. B. Nabelschnur)
– Wachstumskontrolle und Fruchtwassermenge→ Wird häufig als sogenannter „DEGUM-Stufe II Ultraschall“ angeboten, durchgeführt durch spezialisierte Ärzt:innen. - Dritttrimester-Kontrollen (ab ca. 30. SSW)
– Wachstumsverlauf, Gewichtsschätzung
– Fruchtwasser, Lage des Kindes, Plazenta
– ggf. Doppleruntersuchung bei Verdacht auf Wachstumsverzögerung
– Vorbereitung auf Geburt (z. B. Beckenendlage)
→ Ultraschalluntersuchungen im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien sind Kassenleistungen (mindestens 3 reguläre Screenings). Erweiterte Ultraschalluntersuchungen können individuell sinnvoll sein – wir beraten dich gerne dazu.
Was gehört zur regulären Schwangerschaftsvorsorge?
In Deutschland sieht die gesetzliche Vorsorge mindestens zehn Kontrolltermine vor – meist alle vier Wochen, später häufiger. Dazu gehören:
- Gewicht, Blutdruck, Urinstatus
- Kontrolle des kindlichen Wachstums
- CTG (Herzton-Wehen-Aufzeichnung)
- Drei große Ultraschalluntersuchungen
- Blutuntersuchungen: z. B. Blutgruppe, Antikörper, Röteln, ggf. Hepatitis
- Ab der 24. SSW: Zuckerbelastungstest (Glukosetoleranz)
Welche Zusatzuntersuchungen sind möglich?
Neben den regulären Vorsorgeuntersuchungen gibt es auch individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), z. B.:
- Erweiterte Ultraschallkontrollen
- Infektionsscreenings (z. B. Toxoplasmose, Zytomegalie, Parvovirus B19)
- NIPT (Nicht-invasiver Pränataltest)
- 3D/4D-Ultraschallbilder
→ Diese Leistungen sind freiwillig und werden in einem individuellen Gespräch besprochen.
Welche Impfungen sind in der Schwangerschaft sinnvoll?
- Keuchhusten (Pertussis): ab 28. SSW empfohlen zum Nestschutz
- Grippeimpfung (Influenza): im 2. oder 3. Trimester empfohlen
- COVID-19 (nach STIKO-Empfehlung): individuell, je nach Risikoprofil
- RSV-Impfung: neu empfohlen ab 28. SSW – schützt das Neugeborene vor Atemwegsinfektionen, besonders sinnvoll, wenn Geburt in der Herbst-/Wintersaison (Hauptsaison für RSV) erwartet wird
→ Wir beraten dich hierzu individuell – auch zu Reiseimpfungen oder Tetanusauffrischung.
Was bedeutet es, wenn ich eine Rhesus-negative Blutgruppe habe?
Wenn du Rhesus-negativ bist und dein Kind Rhesus-positiv, kann dein Immunsystem Antikörper bilden.
Daher wird empfohlen, wenn du Rhesus-negativ bist, den Rhesusfaktor deines ungeborenen Kindes nicht-invasiv aus deinem Blut zu bestimmen (ab der 12. SSW).
- Ist dein Kind ebenfalls Rhesus-negativ, entfällt die Anti-D-Prophylaxe — du bist geschützt, ohne die Impfung erhalten zu haben.
- Ist dein Kind Rhesus-positiv, bekommst du wie üblich die Prophylaxe in der 28.–30. Schwangerschaftswoche.
Was ist der Zuckerbelastungstest (Glukosetoleranz)?
Zwischen der 24. und 28. SSW wird ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) empfohlen. Er dient dem Ausschluss eines Schwangerschaftsdiabetes. Der Test verläuft in zwei Stufen:
- Vortest (50 g Zucker, ohne Nüchternsein)
- Falls auffällig → großer Test (75 g Zucker, nüchtern, mehrfach Blutentnahme)
→ Ein unerkannt erhöhter Blutzucker kann zu Komplikationen führen – der Test ist daher sehr sinnvoll.
Was sollte ich bei Ernährung und Lebensstil beachten?
- Vielseitige, frische Ernährung, ausreichend Eisen, Folsäure, Vitamin D
- Verzicht auf rohes Fleisch, Fisch, Rohmilchkäse (Listerien!)
- Kein Alkohol, Nikotin oder Drogen
- Ausreichend Bewegung, aber Überlastung vermeiden
- Gute Zahnhygiene (Parodontitis kann Frühgeburt fördern)
Gibt es verbotene Lebensmittel in der Schwangerschaft?
Ja, einige Lebensmittel können gefährliche Keime enthalten (Listerien, Toxoplasmose). Bitte vermeiden:
- Rohmilchkäse (z. B. Brie, Camembert)
- Rohes Fleisch (z. B. Mett, Carpaccio)
- Roher Fisch (Sushi, Sashimi)
- Produkte mit rohem Ei (z. B. Tiramisu, Mousse au Chocolat)
→ Wir beraten dich gerne individuell zur sicheren Ernährung.
Wie viel Kaffee darf ich in der Schwangerschaft trinken?
Ein mäßiger Kaffeekonsum ist erlaubt. Laut Studien sollten nicht mehr als 200–300 mg Koffein pro Tag konsumiert werden – das entspricht etwa 1–2 Tassen Kaffee.
Bedenke:
Auch Schwarztee, Cola, Energydrinks oder Schokolade enthalten Koffein.
→ Zu viel Koffein kann das Risiko für Fehl- oder Frühgeburten leicht erhöhen.
Was ist mit Reisen, Sport und Sexualität in der Schwangerschaft?
- Reisen:
grundsätzlich erlaubt, sofern dein Gesundheitszustand stabil ist. Der beste Reisezeitraum liegt im zweiten Trimenon (bis etwa 24. SSW). Wähle ein Reiseziel mit guter medizinischer Versorgung, besonders für den Fall einer Frühgeburt. Beweg dich regelmäßig (Thromboseprophylaxe), trinke ausreichend und nimm ggf. ein ärztliches Attest mit (viele Airlines verlangen es ab der 28. SSW) - Sport:
Regelmäßige Bewegung ist gesund – angepasst an dein Wohlbefinden. Vermeide Extremsportarten, Sturzgefahr oder starkes Pressen - Sexualität:
Erlaubt, solange keine medizinischen Gründe dagegensprechen (z. B. Blutungen, verkürzter Gebärmutterhals mit vorzeitigen Wehen, Plazenta, die vor dem inneren Muttermund liegt)
Ist eine Flugreise in der Schwangerschaft erlaubt?
Ja, grundsätzlich ist Fliegen bis zur ca. 28.–32. Woche unbedenklich, wenn keine Risikofaktoren vorliegen.
Zu beachten:
- Beweg dich regelmäßig (Thromboseprophylaxe)
- Trinke ausreichend
- Nimm ggf. ein ärztliches Attest mit (viele Airlines verlangen es ab der 28. SSW)
→ Sprich geplante Reisen vorab mit uns ab.
Darf ich joggen oder Rad fahren in der Schwangerschaft?
Sport ist auch während der Schwangerschaft gesund – solange du dich wohlfühlst.
Geeignete Sportarten:
- Schwimmen, Walking, Radfahren (bis ca. 20. SSW), Yoga
- Vermeide Extremsportarten, Sturzgefahr oder starkes Pressen
→ Dein Körper gibt dir die besten Hinweise. Höre auf ihn – und frag im Zweifel bei uns nach.
Was tun bei Beschwerden wie Blutungen oder Schmerzen?
Auch wenn viele Symptome harmlos sind, gilt: Lieber einmal zu viel als zu wenig Kontakt aufnehmen. Typische Warnzeichen:
- Blutungen, Schmerzen, Ausflussveränderungen
- Fieber, Harnwegsinfekte
- Weniger Kindsbewegung als gewohnt
- Bluthochdruck, Sehstörungen, Kopfschmerzen
→ Wir sind für dich da – im Zweifel auch kurzfristig.
Was regelt der Mutterpass?
Der Mutterpass ist dein persönliches Vorsorgeheft. Hier werden alle Untersuchungen, Blutwerte und Ultraschallergebnisse dokumentiert. Bitte bring ihn zu jedem Termin mit – auch ins Krankenhaus oder zur Hebamme.
Wann sollte ich mich für die Geburt anmelden?
Ab der 28.–30. Schwangerschaftswoche solltest du dich in der Klinik deiner Wahl zur Geburt anmelden – dort bekommst du auch Infos zur Geburtsvorbereitung, Anmeldung zur Wochenbettstation, Hebammensuche etc.
Was ist eine Hebammenbetreuung?
Hebammen begleiten dich während der Schwangerschaft, im Wochenbett und beim Stillen. Die Betreuung ist Kassenleistung – eine frühzeitige Kontaktaufnahme (ab 12. SSW) ist sinnvoll, da viele Hebammen schnell ausgebucht sind.
Was tun bei Müdigkeit, Schwindel oder Kreislaufproblemen?
Häufig harmlose Begleiter in der Frühschwangerschaft – bedingt durch Hormonumstellung und erhöhtes Blutvolumen.
Hilfreich:
- Regelmäßige kleine Mahlzeiten
- Viel trinken
- Langsames Aufstehen
- Bewegung an der frischen Luft
→ Wenn Symptome stärker werden, besprich sie bei deinem nächsten Termin.

